VdF fordert Chancengleichheit für Berufsfußballer innerhalb der Bundesliga

»Werden die Ungleichbehandlung nicht akzeptieren«

– 20. April 2020 –

Während die österreichischen Bundesligisten auf einen Trainingsstart am Dienstag, den 21. April 2020 hoffen dürfen, sind die Klubs der 2. Liga mit Ausnahme von Cupfinalist Austria Lustenau wegen der Coronavirus-Pandemie weiter zur Untätigkeit gezwungen. Das sorgt bei der Spielergewerkschaft Vereinigung der Fußballer (VdF) für großen Ärger.

In einem offenen Brief vom 20. April 2020 wenden sich das VdF-Spielerpräsidium der 2. Liga direkt an die verantwortlichen Personen der Österreichischen Bundesregierung und Fußball-Bundesliga.

 

Sehr geehrte Bundesregierung! Sehr geehrte Bundesliga!

Die Vereinigung der Fußballer (VdF) sieht sich als Stimme der Fußballer und hat damit die Anliegen und Interessen der österreichischen und in Österreich spielenden Profifußballer im Fokus. Als Präsidiumsmitglieder und Vertreter der Spieler der 2. Liga erachten wir es daher als unsere Pflicht, zum Beschluss der Regierung betreff der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes in der höchsten Spielklasse - und anlässlich des Cupfinales auch für Zweitligist Austria Lustenau – Stellung zu beziehen. Voraussichtlich morgen Dienstag dürfen diese das Training (in Kleingruppen) wieder aufnehmen und somit auf den Platz zurückkehren.

Völlig ungewiss ist aber in diesem Zusammenhang nach wie vor die Zukunft der restlichen 15 Mannschaften in der 2. Liga. Als Spielervertreter kritisieren wir den Umgang der Regierungsverantwortlichen mit den Profis unserer Liga und fordern die Bundesliga auf, diese Ungleichbehandlung nicht zu akzeptieren und kommentarlos hinzunehmen. Mehr als 80 Prozent der Spieler in unserer Liga sind Berufsfußballer. Eine Umfrage unter den Spielern der Zweitligavereine hat ergeben, dass die Spieler von 13 Vereinen bereit sind, unter entsprechenden Voraussetzungen das Training wieder aufzunehmen und auch ihre Meisterschaft weiterspielen zu wollen - lediglich drei Teams waren zum Zeitpunkt der Umfrage dagegen.

Aus unserer Sicht darf es seitens der Regierung und der Bundesliga für uns Profispieler im Umgang keinen Unterschied zwischen der Bundesliga und der 2. Liga geben, daher müssen auch die gesetzten Maßnahmen dieselben sein. Den Spielern der 2. Liga wird ansonsten die Chance genommen, ebenfalls ein ordentliches, fußballadäquates Training zu absolvieren und das ist nicht im Sinne der Chancengleichheit beziehungsweise eine unzulässige Schlechterstellung für jeden einzelnen Spieler, welche auch sein berufliches Fortkommen stark negativ beeinflusst. Wir sehen das derzeit auch völlig unabhängig davon, ob und welche Meisterschaften der beiden Bundesligen fortgesetzt beziehungsweise zu Ende geführt werden.

Wir plädieren allerdings ausdrücklich dafür, falls die Bundesliga fortgesetzt wird, die 2. Liga ebenfalls fortzusetzen, weil ein Abbruch für die einzelnen Spieler weitere gravierende Nachteile hätte. Den Fußballern der 2. Liga würde so die Plattform genommen werden, um sich zu präsentieren. Es wäre möglich, dass es erst im Spätherbst wieder Spiele geben würde – selbst das ist jedoch noch lange nicht gesichert, wenn sich die Vereine schon jetzt gegen Geisterspiele aussprechen. Zudem könnten dadurch im Sommer viele Spieler ohne Vertrag und mit einer ungewissen Zukunft sinngemäß auf der Straße und vor einem Karriereknick stehen. Die lange Zeit ohne Trainings und Spiele könnte von diesen Spielern nur sehr schwer aufgeholt werden, die Marktwerte der Betroffenen würden massiv sinken und die Arbeitslosigkeit dazu extrem ansteigen.

Es braucht unserer Meinung nach, eine einheitliche Lösung für die Bundesliga und die 2. Liga und wir fordern auch die einzelnen Vereine der Bundesliga dazu auf, bei anstehenden Entscheidungen auch die Interessen ihrer Spieler zu berücksichtigen und in die Zukunft zu blicken. Die Regelung, dass lediglich die Vereine derBundesliga trainieren und spielen dürfen, ist absolut nicht im Sinne von Chancengleichheit und für die Profispieler der 2. Liga so etwas wie ein Berufsverbot. Es darf uns nicht die Chance genommen werden, ebenfalls zu trainieren und zu spielen. Im Mittelpunkt soll der Sport stehen – natürlich erst dann, wenn es nach den Gesundheitsaspekten und wirtschaftlich möglich ist. Aber es muss auch im Sinne der Bundesliga und ihrer Wettbewerbe sein, beide Profiligen gleich zu behandeln und es beiden zu ermöglichen, die Saison fortzusetzen oder eben nicht. Nur eine Liga abzubrechen, hätte für zahlreiche Spieler der 2. Liga massive Konsequenzen, wäre der Glaubwürdigkeit des Bundesligafußballs abträglich und würde für die Zukunft unseres Profifußballs einiges in Frage stellen.

Abschließend möchten wir nochmals daran erinnern, dass der Rechtskörper und die Organisation Bundesliga aus der Bundesliga und der 2. Liga besteht und wir es daher als Verpflichtung der Verantwortlichen ansehen, auch im Sinne aller beteiligten Vereine und Spieler zu handeln.

Mit sportlichen Grüßen

das Spielerpräsidium der 2. Liga, e.h.

Martin Grasegger, Thomas Reifeltshammer, Alexander Joppich