Kunstrasen-Verbot: Sorge um Fußballplätze

259 Plätze in Österreich und mehr als 6.000 in Deutschland betroffen

– 21. Juli 2019 –

Das von der EU geplante Gesetz gegen Mikroplastik bereitet vielen Wiener Fußballvereinen derzeit Kopfzerbrechen: Rund 80 Prozent der Fußballplätze in der Stadt sind aus Kunstrasen. Das Plastikgranulat könnte mit dem Gesetz auch verboten werden.

Die Debatte über das von der Europäischen Union geplante Verbot von Mikroplastik könnte sich auch auf den Fußball stark auswirken. Ab 2022 soll auch das Granulat verboten werden, das für Kunstrasenplätze verwendet wird. Laut Angabe des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) gibt es in Österreich insgesamt 259 Kunstrasenplätze.

 

Hoffen auf „praktikable Lösung“

ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer erklärte, dass der Europäische Fußballverband (UEFA) in dieser Frage die Interessen des europäischen Fußballs gegenüber der EU vertrete, somit nach Abstimmung auch jene des ÖFB. „Wir hoffen auf eine gute und praktikable Lösung, damit Fußball unter entsprechender Berücksichtigung der wichtigen Themen Umweltschutz sowie Gesundheit der Spielerinnen und Spieler auch in der Zukunft in allen Teilen Österreichs und Europas gespielt werden kann. Das quer durch alle Alterskategorien und Ligen.“

 

53 Plätze in Wien betroffen

Von den 259 Kunstrasenplätzen befinden sich allein 53 in Wien. „Um trotz Platzmangels den Trainings- und Spielbetrieb von der Kinder- bis zur ersten Mannschaft aufrechtzuerhalten“, erklärte Hollerer. „Ein Naturrasen kann einer solchen Belastung nicht standhalten.“

Nicht eingerechnet in den Wien-Zahlen sind Schulsportplätze und Landhockeyplätze. Haupteigentümer ist in den meisten Fällen die Stadt Wien. Die Kosten würden einen dreistelligen Millionenbetrag verursachen.

„Wir prüfen die Frage hinsichtlich ihrer Relevanz und möglicher Auswirkungen auf die Wiener Sportplätze. Ein Verbot von Kunstrasenplätzen wäre natürlich mit gravierenden Umstellungen verbunden. Daher braucht es einen intelligenten und praktikablen Umgang mit dem Thema, der auch Übergangsfristen für bestehende Anlagen miteinschließen sollte“, so Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ).

 

Deutschland hofft auf Übergangsfrist

Zumindest auf eine Übergangsfrist von sechs Jahren hofft der Deutsche Bundesinnenminister Horst Seehofer, wie er in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ erklärte. „Als Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports“, sagte der CSU-Politiker.

Laut dpa beschäftigen sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) intensiv mit der Problematik. Auch der DFB wolle sich für eine sechsjährige Übergangsfrist einsetzen. In Deutschland gibt es nach Verbandsangaben mehr als 6.000 Kunstrasenplätze.

 

Quelle: ~ https://wien.orf.at/stories/3005426
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