Seid umschlungen, Milliarden 18.01.2017

16,9 Milliarden Euro haben Europas Clubs 2015 umgesetzt – so viel wie nie zuvor. Damit haben sich die Einnahmen seit 1996 versechsfacht. „Eine Erfolgsgeschichte“, findet UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Wie aus der aktuellsten Verbandsstudie hervorgeht, wird die Kluft zwischen Arm und Reich dennoch immer größer. Die österreichischen Clubs etwa geraten immer mehr ins Hintertreffen - zumindest nach Ansicht der UEFA.

UEFA-Chef Ceferin sieht das gesamteuropäische Umsatzplus naturgemäß positiv. „Die Erfolgsgeschichte des Fußballs als kulturelle und wirtschaftliche Kraft ist einmal mehr herausragend“, so der Neo-Präsident. Das von der UEFA vor knapp zehn Jahren ins Leben gerufene Financial-Fairplay-Programm wirke. Es habe „die Fußballfinanzen umgedreht“. In den letzten zwei Jahren habe der operative Gewinn der Clubs in Summe 1,5 Milliarden Euro ausgemacht - in den beiden Jahren davor sei noch ein Minus von 700 Millionen zu Buche gestanden.

Dass der Großteil des Umsatzplus den großen Clubs zugute kommt und der Abstand zu den kleinen Vereinen immer größer wird, erkennt aber auch die UEFA als großes Problem an. Die explodierenden Spielergehälter sowie die Konzentration von Sponsorengeldern auf „eine Handvoll Vereine“ sieht der Slowene als einen „weniger positiven“ Trend.

Ein Trend, der mit der Reform der Champions League wohl noch verstärkt wird, findet Christian Ebenbauer, Vorstand der österreichischen Bundesliga. „Die Schere zwischen Arm und Reich wird durch die Reform größer, dabei wäre es wesentlich, diese Schere wieder zu verkleinern. Diese Umkehr wäre aber nur durch Maßnahmen auf internationaler und nicht auf nationaler Ebene möglich.“

Premier League als dominierender Finanzkrösus

Vom Konzert der „Big Player“ ist Österreich aber ohnehin weit entfernt, die weitaus größte finanzielle Potenz weist nach wie vor die englische Premier League auf: 4,4 Milliarden Euro wurden im Finanzjahr 2015 erwirtschaftet, im Durchschnitt gaben die 20 Clubs im englischen Oberhaus jeweils 134 Millionen Euro für Spielergehälter aus. Im Vergleich dazu wirkt die österreichische Bundesliga in der von der UEFA durchgeführten Erhebung wie ein Armenhaus: Die Spieler der österreichischen Bundesligisten erhielten im Clubschnitt 9,6 Millionen Euro – und damit um das 14-Fache weniger als die Kollegen auf der Insel.

Ausgehend von der Annahme eines 25-Mann-Kaders verdient ein durchschnittlicher Premier-League-Spieler demnach mehr als fünf Millionen Euro per anno, während sich ein österreichischer Spieler mit im Schnitt 380.000 Euro jährlich zufriedengeben muss – brutto, wohlgemerkt. Würden die Gehälter von Ligakrösus Red Bull Salzburg nicht berücksichtigt, wäre das Gehaltsniveau in Österreich wohl noch deutlich niedriger.

Ebenbauer: „Liga ein gutes Sprungbrett“

Bundesliga-Vorstand Ebenbauer sieht in der österreichischen Bundesliga aber trotz der finanziell lukrativeren ausländischen Ligen „weiterhin eine sehr gute Ausbildungsplattform. Auch wenn die Gehälter in den Topligen naturgemäß höher sind.“ Ein Asset aus österreichischer Sicht sei die Durchlässigkeit, „da nationale und auch internationale Erfahrung leichter erzielbar sind als bei Topvereinen in großen Ligen“.

„Beispiele für diese wichtigen Entwicklungsschritte sind unter anderen Martin Hinteregger, Kevin Kampl, Sadio Mane, Aleksandar Dragovic, Marcel Sabitzer oder zuletzt Dayot Upamecano“, so Ebenbauer weiter.

UEFA sieht klares Minus für Österreich

Im europäischen Vergleich befindet sich die österreichische Bundesliga zwar nahe an den Top Ten. Mit einem durchschnittlichen Umsatz von 12,9 Millionen Euro pro Club liegt die höchste heimische Spielklasse auf dem zwölften Platz allerdings nur knapp vor der Ukraine (12,5 Mio.). Die Konkurrenz ist freilich längst enteilt: In der portugiesischen Primeira Liga etwa setzen die Clubs im Durchschnitt 19,1 Millionen Euro um, damit schaffen sie es direkt vor Österreich auf Rang elf des europäischen Rankings.

Die Tendenz zeigt aus heimischer Sicht nach unten: Im Sechsjahresvergleich hat das österreichische Oberhaus nach UEFA-Zahlen um elf Millionen Euro weniger umgesetzt. Damit steht ein Minus von 7,8 Prozent zu Buche. In der Bundesliga verweist man unterdessen darauf, dass bei den UEFA-Berechnungen „relevante“ Größen nicht miteinbezogen würden. So lässt der europäische Verband Transfererträge, Finanzerträge und sonstige Erträge nicht für die eigenen Berechnungen zu.

Bundesliga sieht sich im Plus

Die von der Bundesliga erhobenen Zahlen für 2015 weisen etwa einen durchschnittlichen Umsatz von 17,4 Millionen Euro aus - um 4,5 Millionen Euro mehr als der von der UEFA errechnete Betrag. Demnach stellen Verkäufe von Topspielern in attraktivere und sportlich höherwertige Ligen ein zentrales Element in den Budgets der österreichischen Bundesliga dar. Einnahmen, die naturgemäß nur bedingt planbar sind: Können keine Spieler gewinnbringend veräußert werden, sind größere finanzielle Sprünge nicht möglich.

Dementsprechend schwanken die Zahlen der Liga: Von 2009 auf 2010 schnellte der Umsatz etwa gleich um 21,3 Prozentpunkte nach oben. Von 2011 auf 2012 gab es hingegen ein Minus von 4,7 Prozentpunkten. Im Vergleich zu 2015 schlug das Pendel wieder nach oben aus: In der abgelaufenen Saison stand ein Plus von 10,1 Prozentpunkten zu Buche.

Ligareform: Zehn Prozent mehr Erlöse

Nicht zuletzt deshalb soll unabhängig vom Vergleich zur Vergangenheit die Ligareform für positive Effekte sorgen. Mit der Aufstockung von zehn auf zwölf Bundesligisten, der Ausweitung der zweiten Spielklasse sowie strengeren Lizenzkriterien im Oberhaus soll ein Aufwärtstrend erwirkt werden.

„Einerseits zeigt sich, dass durch neue, moderne Infrastruktur zusätzliche Erlöspotenziale erschlossen werden können, andererseits ergeben sich auch durch das neue Ligenformat ab 2018/19 neue Erlöspotenziale“, so Ebenbauer. Mit der Einführung der Play-off-Spiele um ein Europacup-Ticket würden neue Reize gesetzt. „Durch die Spannungselemente sind mehr Zuschauer in den Stadien sowie auch zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten zu erwarten. Wir erwarten uns aufgrund der Analysen zumindest eine zehnprozentige Steigerung bei den Vermarktungserlösen.“

Premier League legt um 80 Prozent zu

Global bleibt - nicht zuletzt dank des äußerst lukrativen neuen TV-Vertrages - England das Maß aller Dinge: Die Premier League setzte 2015 im Vergleich zu 2009 um knapp zwei Milliarden Euro mehr um – ein Plus von über 80 Prozent.

Von den besten 20 Ligen Europas hatten seit 2009 nur fünf ein Minus zu verzeichnen – Österreich gehört ebenso zu dem Quintett wie Dänemark (- 10,1), Schottland (- 32,8), Norwegen (- 10,1) und Griechenland (- 37,5). Gesamteuropäisch gesehen nahm der Umsatz der Clubs unterdessen binnen sechs Jahren – respektive zwei TV-Vertragszyklen - um 44 Prozent zu. Von den kleinen Nationen konnten nur Belgien, Kasachstan und die Schweiz diesen Trend einigermaßen mitgehen.

Dass angesichts im Fahrwasser explodierender Umsatzzahlen auch Risiken lauern, zeigt die Aufstellung der Verbindlichkeiten der europäischen Clubs: Auch hier führen die englischen Vereine das Ranking an. Im Schnitt hat ein Premier-League-Club 84 Millionen Euro an Außenständen, die laut UEFA Financial Fairplay zu berücksichtigen sind – und damit um beinahe 30 Millionen Euro mehr als ein durchschnittlicher italienischer Serie-A-Verein.

In dieser Hinsicht vorbildlich wirtschaften die Vereine der deutschen Bundesliga: Obwohl das deutsche Oberhaus mit 2,3 Milliarden Euro Umsatz Platz zwei in der Umsatzrangliste innehat, liegen die DFB-Clubs in Bezug auf die Schulden mit durchschnittlich 7,9 Millionen Euro auf Platz zehn. Positiv aus österreichischer Sicht: In den Top 20 der am höchsten verschuldeten europäischen Ligen scheint die tipico-Bundesliga nicht auf.

Quelle: sport.orf.at

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