Das war der 1. FUSSBALL KONGRESS Schweiz 2011

Am Donnerstag, 8. September 2011, fand in der Bâloise-Lounge des St. Jakob-Parks die erste Ausgabe des Fussball-Forum Schweiz statt. Dabei lud der österreichische Veranstalter „Sport Business International“ in enger Zusammenarbeit mit dem FC Basel 1893 diverse Exponenten und Experten des Fussballgeschäfts ein, die zu verschiedenen Themen rund um die beliebte Sportart referierten und diskutierten. Das Resultat war ein Tag mit hoch interessanten Thesen, Analysen und Gesprächen.

„Das Forum soll eine Netzwerkplattform für alle möglichen Menschen sein, die im Fussballgeschäft tätig sind.“ So umschrieb der Österreicher Toni Pichler vom Forums-Veranstalter „Sport Business International“ zur Begrüssung der Gäste ganz kurz die Idee der Veranstaltung im St. Jakob-Park. Das Fussball-Forum Schweiz reiht sich in eine Serie von verschiedenen Foren dieser Art in Österreich und Deutschland ein, die bereits stattgefunden haben oder noch stattfinden werden.

Die Ausgabe im Basler St. Jakob-Park begann am Mittwochmorgen mit einem Referat von Benedikt Weibel, dem ehemaligen CEO der SBB sowie „Mister Euro 2008“. Weibel referierte zum Thema „Fussball zwischen Himmel und Hölle“ und beschrieb diesbezüglich etwa Xherdan Shaqiris dritten Treffer beim Spiel Schweiz–Bulgarien als „himmlisch, während ich den Begriff Hölle im Fussballzusammenhang nach den einschlägigen Ereignissen der vergangenen Monate nicht mehr näher beschreiben muss…“ Zu diesem Gewaltthema, das unter anderem auch dem Schweizer Fussball bisweilen zu schaffen macht, sagte Weibel: „Ich bin sicher, dass es mit einer gezielten Ursachen-Analyse klappen kann, Lösungen zu finden und eine Trendumkehr zu bewirken.“ Dafür sei ein breitgefächertes Konzept nötig, das alle Partien involviere. „Ich bin überzeugt, dass dies möglich ist“, so Weibel, „schliesslich wollen wir alle, dass Fussball Himmel bedeutet und nicht Hölle“.


Nach einem nächsten spannenden Referat des Sponsoring-Leiters der Schweizerischen Post, Marc Santschi, galt das Interesse Bernhard Heusler: Der Vize-Präsident und Verwaltungsrats-Delegierte der FC Basel 1893 AG erläuterte aus seiner Sicht die Herausforderungen des Fussballgeschäfts, die sich einem Schweizer Spitzenclub stellen. Zunächst legte der Wirtschaftsanwalt Wert drauf festzuhalten, dass Fussball heute zwar ein Geschäft sei, man den Sport aber weiterhin als Spiel betrachten müsse, bei dem Glück und Zufall eine Rolle spielen könne – und müsse.

Natürlich kam auch Bernhard Heusler nicht um das Thema „Gewalt im Fussball“ herum. Nach den Ausschreitungen im Mai 2006 im St. Jakob-Park habe sich der FCB in einer „Selbstdiagnose“ ein grosses Dialogdefizit attestiert – „wir merkten damals, dass wir uns zu wenig mit den Fans, der Polizei und der Politik unterhalten hatten“, so Heusler. Seither allerdings beruhe die FCB-Fanpolitik auf dem kompletten Gegenteil, ohne dass der Basler Club damit behaupten wolle, für alle Probleme definitive Lösungen gefunden zu haben. „Aber wenn ich persönlich als Vizepräsident rund 30 Prozent meines Arbeitsaufwandes für den Club der Fan-Thematik widme, habe ich Mühe damit, wenn teilweise behauptet wird, wir würden das Problem nicht anpacken.“ Auch der finanzielle Aufwand des FCB in diesem Bereich, rund drei Millionen Franken pro Jahr, spreche im Prinzip eine deutliche Sprache.

Als eine der vielen weiteren Herausforderungen für den FCB im Fussballgeschäft – nebst der zentralen Aufgabe des Vertrags-und Kadermanagements – nannte Heusler etwa den Umgang mit den Finanzen. Dies gerade bei der Betrachtung des internationalen Fussballs, wo mittlerweile vielerorts mit horrenden Etats und letztlich auch mit Geld operiert werde, das gar nicht vorhanden sei. Zur Veranschaulichung der wirtschaftlichen FCB-Position im internationalen Vergleich verglich der FCB-Vizepräsident zum Beispiel das Umsatz-Kuchendiagramm von Real Madrid mit jenem des Schweizer Meisters: Während bei Real 28 Prozent des Umsatzes durch die Zuschauer generiert werden, 35 Prozent durch Vermarktung und 37 Prozent durch TV-Einnahmen, sieht dies beim FCB etwas anders aus: Hier kommen nicht weniger als 71 Prozent von den Zuschauern, 24 Prozent durch Vermarktung und lediglich 5 Prozent aus TV-Einnahmen. Diese beliefen sich etwa bei der AC Milan zuletzt auf 154 Millionen Euro pro Saison, beim FCB im Vergleich dazu auf 0,6 Millionen Euro. Unter anderem zu diesem Thema der TV-Gelder hielt Bernhard Heusler nach seinem Referat mit Thomas Grimm (Präsident Swiss Football League), Walter Stierli (VR-Präsident FC Luzern) und Roger Feiner (Geschäftsleitung Cinetrade/Teleclub AG) eine spannende Diskussion ab, die von FCB-Mediensprecher Josef Zindel moderiert wurde.

Nach dem Mittagessen stieg dann ein bekannter ehemaliger Fussballprofi des SV Werder Bremen und der deutschen Nationalmannschaft aufs Redner-Podium: Marco Bode, der sich seit dem Ende seiner Aktivkarriere stark im Bereich der sozialen Verantwortung des Profifussballs engagiert. „Soziales Engagement im Fussball gibt es eigentlich schon lange“, so Bode, „aber in den letzten Jahren hat es sich stark weiterentwickelt und professionalisiert.“ Er wolle die Botschaft rüberbringen, dass Fussballspieler und Clubs zwar nicht verpflichtet seien, sich neben ihrem Kerngeschäft sozial zu betätigen. Aber wenn man die Chance habe, seine Popularität und seine Vorbildfunktion auf authentische Weise zu nutzen, solle man das tun. „Schon mein früherer Trainer Otto Rehagel hat mir immer gesagt: Chancen muss man verwerten“, erzählte Bode schmunzelnd, bevor er – ebenfalls mit einem Augenzwinkern – im Zusammenhang mit der gelegentlichen Doppelmoral in diesem Bereich noch einen anderen früheren Weggefährten zitierte: „Mein früherer Teamkollege Mario Basler hatte schon gesagt: Jede Seite hat zwei Medaillen…“ Nicht nur wegen dieser kleinen Spitze hatte Marco Bodes Auftritt, wie auch jener seiner Vor- und Nachredner dieses interessanten Forums, einen hohen Unterhaltungswert.

Dem Thema „Soziale Verantwortung im Profifussball“ war in der Folge die nächste Podiumsdiskussion gewidmet, moderiert wurde sie von Telebasel-Sportchef Benjamin Schmid. Marc-André Buchwalder, CEO der Stiftung Scort, strich dabei mit Freude heraus, dass sich mittlerweile sehr viele Clubs mindestens lokal irgendwo sozial engagieren. Benno Kaiser, der administrative Nachwuchs-Verantwortliche des FCB sowie Stiftungsrat und Geschäftsführer der Stiftung Nachwuchs-Campus Basel, ergänzte, dass „die Beteiligung des FC Basel an den Projekten der Stiftung Scort eine tolle Sache ist, weil man sich gleichzeitig sozial engagieren und gute Kontakte zu anderen internationalen Clubs knüpfen kann“. Auch Leo Wyss, dem Sponsoring-Verantwortlichen des FCB-Hauptsponsors Novartis, ist diese Thema ein grosses Anliegen: „Wir sind ja selbst auch aktiv in diese Richtung, deshalb ist es für uns schon wichtig und wertvoll, dass der FCB seine soziale Verantwortung wahrnimmt. Wir vertreten letztlich die gleichen Werte.“

Den finalen Punkt des Nachmittags bildete die dritte und letzte Podiumsdiskussion, diesmal
zum aktuellen Zustand des Schweizer Fussballs. Eingeleitet wurde das Gespräch durch das Referat von Peter Knäbel, dem technischen Direktor des Schweizerischen Fussballverbands und ehemaligen Nachwuchs-Chef des FC Basel 1893. Knäbel hob die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Verband und Liga hervor. Er sprach zudem davon, dass es entscheidend sei, auf allen Stufen der Fussballer-Ausbildung – sowohl beim Verband als auch in den Clubs – die richtigen Fachpersonen zu haben. „Und wir müssen heute noch früher damit beginnen, eine gezielte Karriereplanung für die jungen Fussballer zu ermöglichen“, so Knäbel. „In diesem Bereich waren wir übrigens grundsätzlich auch schon mal besser: Chapuisat und Sforza haben als Schweizer Spieler die Champions League gewonnen, das ist uns seither nicht mehr gelungen – muss aber das Ziel sein.“ Zudem dürfe man etwas anderes auch nicht vernachlässigen: „Es gibt nicht nur Spielertalente, sondern auch Schweizer Trainertalente, und die muss man genau so fördern.“

In der abschliessenden Diskussion zum Zustand des Schweizer Fussballs kam dann auch noch FCB-Trainer Thorsten Fink zu Wort und sagte: „Ich bin hier eigentlich im Schlaraffenland angekommen – jedes Jahr kommt der eine oder andere sehr gute Spieler aus dem Nachwuchs und man kann sich als Trainer einfach bedienen.“ Die jungen Profis der Schweizer Clubs seien taktisch hervorragend ausgebildet und die Trainer würden auch auf sie setzen, was wichtig sei. Auch Fussballtrainer Marcel Koller zollte der Schweizer Nachwuchsarbeit – gerade auch im Vergleich mit Deutschland, wo er gearbeitet hatte – Respekt: „Hier hat man früh erkannt, wie wichtig die taktische Ausbildung und die Anpassung an den modernen Fussball ist. Deshalb feierte man zuletzt auch nicht zufällig solche Erfolge mit den Nachwuchs-Nationalteams.“ Einen weiteren internationalen Vergleich zog zum Schluss noch der Österreicher Werner Kuhn, Generalmanager von SK Rapid Wien: „Die Schweizer haben seit unserer gemeinsamen Ausrichtung der Euro 2008 ihre Hausauf gaben besser gemacht als wir, was etwa die Infrastruktur oder die Ausbildung anbelangt.“

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